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Niedersachsen

1.000 Flüchtlinge für 100-Einwohner-Dorf

Sonntag, 11 Oktober 2015 17:27 geschrieben von 
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Hannover - In der niedersächsischen Gemeinde Amt Neuhaus soll nach dem Willen des Innenministeriums die größte Flüchtlingsunterkunft Lüneburgs entstehen: Eintausend Asylanten will die Landesregierung in dem 100-Seelen-Örtchen Sumte einquartieren.

„Die Nachricht war erst einmal kaum glaubhaft“, schildert der Ortsvorsteher von Sumte, Christian Fabel (CDU) die Ereignisse. „Eintausend Flüchtlinge – das macht zehn pro Einwohner. Die Stimmung im Ort ist nicht so positiv. Wir wissen nicht, was auf uns zukommt.“ Er erklärt, dass in einem ehemaligen Bürodorf des Ortes die Unterbringung der Asylantragsteller erfolgen soll.

Grit Richter (parteilos), die Bürgermeisterin des zuständigen Amt Neuhaus, befürchtet, die Einrichtung sei zu groß für die Region. Es sei fraglich, ob die Abwasserleitungen für so viele Menschen überhaupt ausreichten. Schließlich müssten diese alle duschen, kochen und waschen. Auch gibt es in Sumte weder Supermarkt noch eine feste Polizeistation. „Wir brauchen aber Polizeipräsenz“, betonte sie. „Und es muss sichergestellt werden, dass das Leben in Amt Neuhaus nicht zusammenbricht.“

Das Innenministerium Niedersachsens erklärte, man sei sich natürlich bewusst, dass eine Unterbringung von eintausend Asylanten in einem so kleinen Dorf eine Belastung für die Region und ihre Bewohner sei. Man sei jedoch aufgrund des massiven Asylzustroms gezwungen, „Gebäude oder Liegenschaften mit geeigneten Strukturen zu nutzen, wenn sie uns angeboten werden“, erklärte die Pressesprecherin Svenja Mischel.

„Die Inbetriebnahme des Standortes für bis zu 1.000 Flüchtlinge wird voraussichtlich zeitnah noch im Laufe des Oktobers erfolgen“, erklärte Nadine Bunzler, ebenfalls eine Sprecherin des Ministeriums. Noch sei unklar, wer die Unterkunft betreiben wird. „Selbstverständlich wird das Land Sorge für die Sicherheit durch Ordnungskräfte und natürlich auch die Polizei tragen.“

„Es wird sehr, sehr erklärungsbedürftig sein“, gibt Alexander Götz, ebenfalls vom Innenministerium, zu. „Für die Menschen vor Ort wird es eine besondere Herausforderung, eine Belastung, da darf man gar nicht drum herumreden.“ Jedoch sei die Unterkunft nur als Notbehelf auf befristete Zeit angedacht.

Bis vor wenigen Jahren war das frühere Bürodorf in Sumte der größte Arbeitgeber in der Gemeinde gewesen. 2013 entschied sich die betreibende Firma Apontas jedoch zu einem Umzug nach Hannover.

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