winzerin-vom-rhein.de

Publiziert in Politik

Erstaufnahmestelle Suhl

Bodo Ramelow geht in Asylwelle unter

Samstag, 08 August 2015 16:05 geschrieben von 
Bodo Ramelow Bodo Ramelow Quelle: bodo-ramelow.de

Erfurt - Der linke Ministerpräsident von Thüringen, Bodo Ramelow, wollte es anders halten als seine Kollegen aus SPD und CDU. Mit seiner ersten Amtshandlung nach seiner Wahl, dem Winterabschiebestopp für Asylantragsteller, wollte er ein Zeichen setzen: Unter der Linken wird es eine bessere, eine menschlichere Asylpolitik im Freistaat geben. Nun ist das unvermeidliche Gegenteil eingetroffen: Die Suhler Erstaufnahmeeinrichtung platzt aus allen Nähten, die Bewohner bekriegen einander, die hygienischen Zustände sind unterirdisch.

„Brandmelder, Schlösser, Türen, alles wird zerstört“, schildert Suhls Oberbürgermeister Jens Triebel (parteilos). „In den Sanitäranlagen gibt es keine Trennwände. Deshalb werden Zimmertüren herausgerissen und vor die Duschkabinen gestellt.“ Immer häufiger entlade sich in beiden Einrichtungen, Suhl und Eisenberg, immer mehr Gewalt. „Nur ist es in Suhl derzeit noch schlimmer, weil dort noch mehr Menschen untergebracht sind“, so ein Experte.

Erst vor wenigen Tagen machte die Meldung über eine Massenschlägerei in der Erstaufnahme die Runde. In der Nacht zum Donnerstag kam es erneut zu Auseinandersetzungen. Wie ein Polizeisprecher bestätigte, geritten die Bewohner des Heimes erneut in Streit wegen der Zimmerbelegung. Das Heim ist mit 1.800 statt 1.200 Personen derart überfüllt, das einige der männlichen Antragsteller auf den Gängen schlafen müssen. Das wiederum wollen diese nicht hinnehmen und versuchen immer wieder andere Asylbewerber aus ihren Zimmern zu vertreiben und deren Betten zu belegen. Letztere sprangen teils gar aus den Fenstern des ersten Obergeschosses, um den Misshandlungen zu entkommen.

Längst warnt der Flüchtlingsrat Thüringen vor einem weiteren Zuspitzen der Situation im Suhler Heim. „Die Zimmer sind massiv überbelegt, die hygienischen Standards werden seit längerem nicht mehr eingehalten und die medizinische Versorgung ist bestenfalls rudimentär“, kritisiert Martin Arnold vom Flüchtlingsrat. Er fordert die Landesregierung auf, schnellstmöglich eine weitere Erstaufnahmestelle zu schaffen. Thüringen müsse bessere Lösungen für die Unterbringung der Asylanten finden.

Die Suhler Einrichtung stand wegen Baumängeln ohnehin kurz vor der Schließung. So hatte Suhls Oberbürgermeister Triebel erklärt, die Stadt habe den Eigentümer bereits vor zwei Wochen aufgefordert, die Mängel umgehend zu beheben, weil in der Unterkunft ein „sehr ernstzunehmendes Sicherheitsproblem“ festgestellt worden sei. Wie Adalbert Alexy, Sprecher des Landesverwaltungsamts auch im Namen des Migrationsministeriums und der Stadt erklärte, seien die beanstandeten Mängel im Bereich des Brandschutzes fristgerecht behoben worden.

Artikel bewerten
(3 Stimmen)
Bitte anmelden, um einen Kommentar zu posten