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Publiziert in Politik

Flüchtlingskrise belastet Kommunen

Jährlicher Bedarf von 300.000 Wohnungen in Deutschland

Samstag, 05 September 2015 17:54 geschrieben von 
Wohnungen in Deutschland Wohnungen in Deutschland

Mainz - Die Kommunen leiden immer stärker unter dem anhaltenden Asyl-Zustrom. Da eine dezentrale Unterbringung immer weniger möglich ist und auch kaum weitere öffentliche Gebäude zur Nutzung als Asylbewerberunterkunft geeignet sind, sprechen sie sich nun für den forcierten Neubau von Wohnungen aus.

Der Mainzer Sozialdezernent Kurt Merkator (SPD) sagte zur aktuellen Entwicklung in seiner Stadt: „Wenn es so weitergeht mit den Prognosen, weiß ich beim besten Willen nicht mehr wohin mit ihnen.“ Eine Unterbringung in Zelten und Turnhallen wolle er unbedingt vermeiden.

Auch der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages, Stephan Articus bemängelte, dass die regulären Möglichkeiten für eine normale Unterkunft „fast überall ausgeschöpft“ seien. Die aktuellen Lösungen seien oft nur Provisorien, die keine dauerhafte Lösung sein können. Articus dazu weiter: „Bund und Länder sollten ihre Mittel für die soziale Wohnraumförderung deutlich aufstocken, damit genügend bezahlbare Wohnungen für alle Gruppen mit niedrigen Einkommen entstehen.“

Laut dem Deutschen Städtetag werden in den kommenden Jahren jährlich 300.000 neue Wohnungen wegen der Flüchtlingskrise benötigt. Städtetagspräsidentin Eva Lohse dazu wörtlich: „Darunter sollten mindestens 30.000 bis 40.000 geförderte Sozialwohnungen sein, im Moment sind es erst halb so viele.“

Mittlerweile gehen auch immer mehr Städte, die bisher aus Überzeugung auf Gemeinschaftsunterkünfte verzichtet haben, dazu über, Asylbewerberheime zu errichten, weil auch dort mittlerweile Wohnungsmangel herrscht. Tobias Klaus von der Flüchtlingslobbyorganisation Pro Asyl forderte daher nun ein Wohnungsbauprogramm mit Mitteln des Bundes: „Die Kommunen können das nicht alleine schaffen. Neben all den kurzfristigen Notfallmaßnahmen brauchen wir eine mittel- und langfristige Unterbringungspolitik, die dafür sorgt, dass die Menschen möglichst zügig aus Gemeinschaftsunterkünften in Privatwohnungen umziehen können.“

Schon vor Wochen hatte der Deutsche Mieterbund davor gewarnt, dass der massive Zustrom von Asylbewerbern zu einer verschärften Konkurrenz zwischen deutschen Geringverdienern und Asylbewerbern um bezahlbaren Wohnraum führen kann. Dann hätten deutsche Mieter oft das Nachsehen, da viele Vermieter bevorzugt an staatliche bzw. institutionelle Stellen vermieten, weil die Einnahmen so sicherer sind.

Letzte Änderung am Samstag, 05 September 2015 18:16
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