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Wer steckt dahinter?

ORS Service AG: Die verborgenen Profiteure der Asylindustrie

Sonntag, 13 September 2015 01:59 geschrieben von 
Logo der ORS Service AG Logo der ORS Service AG Quelle: ORS Service AG

Wien – Der Fall „European Homecare“ hat ein Schlaglicht auf das profitable Geschäft mit der Unterbringung und Versorgung von Asylbewerbern in Deutschland geworfen. Auch bei unseren Nachbarn in Österreich sind private Firmen dick im Asyl-Geschäft, darunter die ORS Service AG, die im letzten Jahr rund 21 Millionen Euro an Zuwendungen aus dem Staatshaushalt der Alpenrepublik erhielt. Bohrt man hier einmal tiefer, treten erstaunliche Verbindungen zu Tage, denn die ORS mit Firmensitz in Zürich gehört der Schweizer Ox Group, die im Sommer 2013 von Equistone Partners Europe (EPE) aus Großbritannien gekauft worden ist. Diese wiederum gehört rund 30 institutionellen Anlegern sowie der Barclays Bank.

Betrug der Umsatz der ORS Service AG – nach eigener Definition „eine politisch und religiös neutrale Organisation“ – im Jahr 1998, als sie ausschließlich in der Schweiz tätig war, noch 20 Millionen Franken, haben sich die Umsatzzahlen nach der Übernahme durch EPE und Expansion ins benachbarte Ausland nahezu verdreifacht. Die ORS ist nicht nur in der Schweiz und in Österreich tätig, sondern auch in der Bundesrepublik Deutschland, wo sie unter anderem Asylbewerberheime in München und Ingolstadt betreibt.

Die ORS-Eigentümerin Equistone Partners Europe (vormals Barclays Private Equity) ist eine Beteiligungsgesellschaft mit Niederlassungen in England, Frankreich, der Schweiz und Deutschland. Neben ORS gehören beispielsweise der Rollstuhlhersteller Sunrise Medical, die POLO Motorrad und Sportswear Gruppe oder die Nürnberger Eschenbach Optik GmbH zum Geflecht der Private-Equity-Gesellschaft mit Hauptsitz in der City of London. Über deren Hauptaktionärin, die Barclays Inc., wusste die Frankfurter Rundschau im Oktober 2011 zu berichten: „Forscher der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich haben genau nachgewiesen, welche Konzerne die Weltwirtschaft dominieren und wie weit ihr Einfluss reicht. Sie kommen zu einem genauso präzisen wie erschreckenden  Ergebnis. Demnach kontrollieren lediglich 147 Konzerne große Teile der Weltwirtschaft. Sie haben gemessen an ihrer Größe überproportional viel Einfluss. Besonders dominant sind der Untersuchung zufolge Unternehmen aus dem Finanzbereich, also Banken und Rentenfonds. Als einflussreichstes Unternehmen der Welt stellte sich die britische Barclays Bank heraus.“ Die Autoren besagter Studie zogen seinerzeit das Resümee: „Wir müssen uns von allen Dogmen befreien, ungeachtet, ob es sich um Verschwörungstheorien oder die freien Märkte handelt. Unsere Analyse basiert auf Tatsachen.“

Doch wer gibt bei Barclays den Ton an? Aufschluss über diese Frage gibt ein Bericht von Wolfgang Freisleben, der zum Schwerpunkt-Thema „Die Rothschild-Dynastie“ im „GELD Magazin“, Österreichs führender Finanzzeitschrift, erschienen ist – und der die Bemerkung der Zürcher Wissenschaftler noch verständlicher macht. Demnach weist Barclays Inc. als wichtigste Aktionäre die Londoner Privatbank NM Rothschild und den New Yorker Investmentriesen Lazard Brothers aus. Letztere Wall-Street-Bank – ursprünglich ein 1848 von den Brüdern Alexandre, Simon und Elie Lazard gegründetes Kurzwarengeschäft – ist in der Finanzwelt als Zweig des Rothschild-Imperiums bekannt.

Wolfgang Freisleben bemerkte in seinem Beitrag: „Der Name Rothschild taucht bei vielen dieser machtvollen Beteiligungsfirmen auf. NM Rothschild hält unter anderem Beteiligungen bei Barclays, FMR (Fidelity Investments), Legal & General Group, Natixis, Lloyds TSB, Massachusetts Mutual Life, ING Group und Northern Trust. Rothschild Asset Management Inc. ist an Vanguard, Legg Mason und Wellington beteiligt; Rothschild GmbH bei AXA; Rothschild Fund Management bei Franklin; Banque Privée Edmond de Rothschild bei Mitsubishi UFJ; Rothschild Investment Trust bei Dodge & Cox; Rothschild Group bei Nomura; Rothschild North America bei Deposit Insurance Corp. of Japan etc.“

Und weiter: „Bei wichtigen Beteiligungen agieren Familienmitglieder sogar in den Führungsetagen. Neben den bereits Genannten war dies bis vor kurzem beispiels- weise Rothschild-Schwiegersohn Marcus Agius als Aufsichtsratsvorsitzender von Barclays (Nummer eins der Liste der Top 50). James Rothschild sitzt im Aufsichtsrat der Capital Group (Nummer zwei), Edmond de Rothschild bei State Street (Nummer fünf), Lord Jacob Rothschild bei der britischen Versicherung Standard Life (Nummer 36), Steven M. Rothschild bei Capital Research, Simon Rothschild bei Resona.“

Um sich dann ganz und gar „von allen Dogmen“ zu „befreien“, wie es die Forscher der ETH Zürich empfehlen, sei noch der Hinweis angefügt, dass erwähnter Marc Agius, der Edmund de Rothschilds Tochter Katherine Juliette heiratete, es nicht nur zum Chef des laut ETH-Studie einflussreichsten Unternehmens der Welt brachte, sondern auch zum Direktor der britischen Rundfunkanstalt BBC und einem der drei Treuhänder des Lenkungsausschusses der Bilderberg-Gruppe. Soviel zu den in der Öffentlichkeit kaum genannten Hintermännern im österreichischen Asyl-Geschäft. Auch Menschen, die keinen Verschwörungstheorien anhängen, dürften hier ins Grübeln kommen.

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Stephan Weber

Stephan Weber (Jahrgang 1988) ist Herausgeber der WINZERIN VOM RHEIN und lebt in Heidelberg.

Er ist politisch engagiert und beobachtet das Zeitgeschehen vor allem in den Bundesländern Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz.

Webseite: www.winzerin-vom-rhein.de/show/author/46-stephan-weber.html
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