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Publiziert in Politik

„Kopftuch ist kein Hindernis“

Steinmeier will mehr Diplomaten mit Migrationshintergrund im Auswärtigen Amt

Donnerstag, 19 März 2015 00:36 geschrieben von 
Bundesaußenminister Frank Walter Steinmeier Bundesaußenminister Frank Walter Steinmeier © Thomas Köhler / photothek.net

Berlin - „Die Welt um uns hat sich verändert. Und auch unser Land ist im Wandel“, erklärte der Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD). „Wir müssen deshalb das Potenzial der Deutschen mit ausländischen Wurzeln besser ausschöpfen.“ Künftig soll das Auswärtige Amt deshalb offener und moderner werden und verstärkt Deutsche mit Migrationshintergrund einstellen.

Bisher seien zwar bereits 150 Nationalitäten mit den verschiedensten Religionen unter den 11.000 Mitarbeitern vertreten, das sei aber vor allem den vielen „Kräften vor Ort“ in den Botschaften geschuldet, die nicht zum Stammpersonal gehören. Unter den Diplomaten und den Diplomatenschülern sei der Anteil hingegen gering.

Doch das soll sich nun endgültig ändern: Der SPD-Politiker lässt gerade ermitteln, wie hoch der Anteil an Diplomaten mit ausländischen Wurzeln in seinem Amt überhaupt ist. Die Zahlen werden voraussichtlich im Herbst vorliegen, doch schon jetzt ist zumindest klar, dass der Anteil an Akademikern mit Migrationshintergrund, die den strengen Aufnahmetest des Auswärtigen Amtes bestehen, steigt.

Am Dienstag fand außerdem eine Konferenz extra für Bewerber aus Einwandererfamilien statt, bei der Steinmeier persönlich um die potenziellen neuen Mitarbeiter warb. Dabei erklärte er auf Nachfrage einer Teilnehmerin: „Ein Kopftuch ist kein prinzipielles Hindernis!“. Man dürfe überhaupt keine Angst davor haben, wenn in Asien ein Diplomat auftrete, der dort vielleicht nicht als typisch deutsch angesehen werden könnte. Jedoch, das musste Steinmeier dann doch einräumen, das Auswahlverfahren bleibe auch für ausländische Bewerber anspruchsvoll, „aber wir hoffen, dass wir nicht ungerecht sind“, so Steinmeier. „Sie dürfen nicht glauben, dass wir das Niveau senken werden.“

Steinmeier selbst unterstrich seinen beabsichtigten Kurs zudem als er gleich zu Beginn seiner Amtszeit die muslimische Deutsch-Palästinenserin Sawsan Chebli zur stellvertretenden Sprecherin erklärte. „Für uns ist das keine Frage von Rücksicht oder gar ein gönnerhaftes Angebot an eine vermeintlich schwächere Gruppe“, heißt es aus dem Auswärtigen Amt. „Migranten bringen oft Sprach- oder Regionalkenntnisse mit, die für das Auswärtige Amt eine Bereicherung sind. Sensibilität im Umgang mit anderen Kulturen gehört für uns zum Handwerkszeug.“

Die Soziologin Jahsa-Rebecca Wiles bezweifelt jedoch, dass die bisherigen Bemühungen des Auswärtigen Amtes ausreichen werden um tatsächlich mehr Deutsche mit Migrationshintergrund anzuwerben. „Ich finde, dass diese großen Bereiche von Inklusion und Diversity mehr professionelle Begleitung brauchen, als das, was hier zum Ausdruck gebracht wurde“, erklärte sie nach dem Besuch der Konferenz. Es sei ein Fehler zu glauben, dass sich so lange eingeübte Sichtweisen einfach per Dekret auflösen liessen.

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Stephan Weber

Stephan Weber (Jahrgang 1988) ist Herausgeber der WINZERIN VOM RHEIN und lebt in Heidelberg.

Er ist politisch engagiert und beobachtet das Zeitgeschehen vor allem in den Bundesländern Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz.

Webseite: www.winzerin-vom-rhein.de/show/author/46-stephan-weber.html
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