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Publiziert in Verbraucherschutz

Unkrautvernichter

BfR kehrte jahrelang Krebsrisiko von Glyphosat unter den Tisch

Samstag, 01 August 2015 23:17 geschrieben von 
Bundesinstitut für Risikobewertung Bundesinstitut für Risikobewertung Quelle: http://www.bfr.bund.de/

Ludwigshafen - Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) steht unter massiver Kritik, weil es offenbar bereits seit Jahren von dem Krebsrisiko, welches von dem Pestizid Glyphosat aller Wahrscheinlichkeit nach ausgeht, gewusst hat, ohne jedoch seine Unbedenklichkeitserklärung zu ändern.

So gehe aus einem vertraulichen Dokument des BfR hervor, dass sich bei Tierversuchen mit dem Pestizid eine krebserzeugende Wirkung gezeigt habe. Offiziell betonte das Institut jedoch immer wieder, ihm lägen keine Hinweise auf ein Krebsrisiko vor.

Im Frühjahr hatte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) das Unkrautvernichtungsmittel als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft. Das BfR widersprach dieser Einschätzung vehement und stellte sich auf die Seite der Industrie. Die Krebsforscherabteilung der WHO habe nicht sauber gearbeitet, lauteten die Vorwürfe.

Wie aus dem vertraulichen Dokument hervorgeht, lagen den Mitarbeitern des BfR jedoch mehrere Studien vor, die vor einem Krebsrisiko warnen. So habe insbesondere eine Langzeitstudie an Mäusen, die über einen Zeitraum von zwei Jahren das Pestizid ins Futter gemischt bekamen, einen deutlichen Anstieg an Lymphsystemkrebsfällen gezeigt. Das Institut fegt die Studienergebnisse jedoch einfach vom Tisch und erklärt: „Die zitierte Zwei-Jahres-Studie an Mäusen weist kein toxikologisch signifikantes Risiko für Kanzerogenität beim Menschen nach.“

Harald Ebner (Grüne) kritisierte die Behörde, die immer wieder versichert habe, keinerlei Hinweise auf ein Krebsrisiko zu haben. „Jetzt kommen sie im Nachhinein doch mit einer Studie raus, die evidente Hinweise auf eine krebserzeugende Wirkung zeigt. Da fühle ich mich als Parlamentarier verschaukelt.“

Der Toxikologe des industriekritischen Pestizidaktionsnetzwerkes Pan, Peter Clausing, erklärte, das BfR stütze sich bei seiner Risikoanalyse vor allem auf hoch umstrittene Auswertungen, die von Seiten der Industrie kommen. „Ein solches Vorgehen ist skandalös“, kritisiert Clausing. „Damit bleibt es weitgehend der Industrie überlassen, Publikationen, in denen die Risiken beschrieben werden, auszuwählen und zu bewerten.“ Er warnt vor möglichen Manipulationen der Studien durch die Industrie. Diese könnte etwa unbedeutende Effekte besonders hervorheben oder besonders kritische verharmlosen oder gar verschweigen. Für die Behörde sei es anschließend kaum möglich die Angaben bis ins Detail nachzuprüfen.

Glyphosat ist die weltweite Nummer eins unter den Unkrautvernichtern. Am bekanntesten ist der Wirkstoff als Roundup des US-Konzerns Monsanto, der damit Milliarden verdiente. Bereits seit Jahren besteht der Verdacht, es löse Krebserkrankungen aus und sei verantwortlich für Missbildungen bei Neugeborenen. Die Zulassung für das Mittel innerhalb der EU läuft gerade aus, so dass die Risiken für eine erneute Zulassung neu bewertet werden müssen. Der Prüfbericht wurde vor einigen Monaten bereits in Brüssel eingereicht: Zuständig für die Neubewertung war das BfR. Es kam zu dem Schluss, Glyphosat sei unbedenklich.

Letzte Änderung am Sonntag, 02 August 2015 14:23
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Stephan Weber

Stephan Weber (Jahrgang 1988) ist Herausgeber der WINZERIN VOM RHEIN und lebt in Heidelberg.

Er ist politisch engagiert und beobachtet das Zeitgeschehen vor allem in den Bundesländern Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz.

Webseite: www.winzerin-vom-rhein.de/show/author/46-stephan-weber.html
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