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Publiziert in Verbraucherschutz

Zwei Gebote für Prokon

EnBW plant Übernahme insolventer Windparks

Dienstag, 12 Mai 2015 22:48 geschrieben von 
Logo EnBW Logo EnBW Quelle: EnBW

Stuttgart - Laut internen Angaben gebe es zwei Bieter für die insolvente Prokon Regenerative Energien GmbH und deren Windräder in Deutschland, Finnland und Polen. Einer der beiden sei, so die Angaben, der Energieversorger Energie Baden-Württemberg (EnBW).

Neben Deutschlands viertgrößtem Energieversorger soll ein weiteres Angebot von dem Solar- und Windparkinvestor Capital Stage eingegangen sein. Das Angebot von EnBW sei den Angaben zufolge höher als das von Capital Stage. Beide hätten zudem unterschiedliche Konzepte zur Eigen- und Fremdkapitalstruktur vorgelegt. Demnach wolle Capital Stage nur 95 Prozent von Prokon übernehmen, während ein bisher unbekannter Co-Inverstor die restlichen fünf Prozent finanzieren will.

EnBW bemüht sich intensiv um den Umstieg von Atom- und Kohlekraftwerken auf erneuerbare Energien. Nachdem das Unternehmen seine Windkrafterzeugung auf hoher See enorm ausgebaut hat, bezeichnet es sich selbst als größten Anbieter auf diesem Gebiet. Der Kauf des insolventen Prokon wäre ein weiterer Schritt auf diesem Weg. Der Wert des Windparkbetreibers wird auf mindestens eine halbe Milliarde Euro geschätzt.

Dabei steht bisher noch nicht einmal eindeutig fest, ob die Firma überhaupt verkauft werden kann. Noch bestehe außerdem die Möglichkeit, dass sich die bisherigen rund 75.000 Geldgeber zu einer Genossenschaft zusammenschließen, erklärte Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin. Die endgültige Entscheidung werde erst im Juli fallen. Bis dahin verfolge man unverändert beide Wege aus der Insolvenz.

Dennoch werde bereits diese Woche eines der beiden Angebote von einem Gläubigerausschuss vorausgewählt. Wie ein Branchenkenner erklärte, sei es dieser bis Sommer andauernden Unsicherheit geschuldet, dass es nur zwei Bieter gegeben hatte.

Die 75.000 Genussrechtsinhaber könnten aber in jedem Falle ihre Papiere in Anleihen umwandeln, erklärte eine Sprecherin des Insolvenzverwalters. Sie müssten dann allerdings wenigstens teilweise mit einem Verlust des eingesetzten Geldes rechnen. „Denn bei allen operativen Erfolgen ist Prokon bei weitem nicht in der Lage, sämtliche Insolvenzforderungen zurückzuzahlen“, so Penzlin im Februar dieses Jahres. Egal wie die Gläubiger sich jedoch entscheiden, ob für die Übernahme durch ein größeres Unternehmen oder den Neustart in Eigenregie, sie werden voraussichtlich rund die Hälfte ihrer Ersparnisse verlieren. Verhindert werden kann nur ein Totalverlust des Geldes.

Mittlerweile ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den Prokon-Gründer Carsten Rodbertus und weitere Verantwortliche wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung, des Betrugs und der Untreue. Prokon war vor rund einem Jahr Pleite gegangen als Kleinanleger, die zuvor durch hohe Renditeversprechen angelockt worden waren, ihre Genussrechte zurückgeben wollten.

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Stephan Weber

Stephan Weber (Jahrgang 1988) ist Herausgeber der WINZERIN VOM RHEIN und lebt in Heidelberg.

Er ist politisch engagiert und beobachtet das Zeitgeschehen vor allem in den Bundesländern Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz.

Webseite: www.winzerin-vom-rhein.de/show/author/46-stephan-weber.html
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