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Publiziert in Verbraucherschutz

Bienensterben

Pflanzenschutzmittel gefährden Bienen

Freitag, 24 April 2015 14:51 geschrieben von 
Pflanzenschutzmittel gefährden Bienen Quelle: pixabay.com

Berlin - Seit Jahren forschen Wissenschaftler nach der Ursache des europäischen Bienensterbens. Galt bisher ein Milbenbefall als wahrscheinlichste Ursache, deuten nun zwei neue Studien darauf hin, dass auch Pestizide der Gruppe Neonikotinoide Schuld am Massensterben der Bienen haben könnten.

Die im Wissenschaftsjournal „Nature“ veröffentlichten Studien wiesen demnach nach, dass die als Pflanzenschutzmittel versprühten Pestizide den Orientierungssinn und die Fruchtbarkeit der Bienen stark stören.

So habe ein Feldversuch der schwedischen Universität Lund gezeigt, dass auf den insgesamt acht mit dem Mittel behandelten Feldern die Dichte der Bienen deutlich abnahm, erklärte der Bienenforscher Dave Goulson. Wildbienenvölker wurden gar um etwa fünfzig Prozent dezimiert. Ebenso litten auch Hummeln unter dem getesteten Wirkstoff Clothianidin. Honigbienen hätten sich dagegen als etwas widerstandsfähiger erwiesen. Eine weitere Studie der Universität Newcastle hätte ebenfalls die Gefahr, die von mit Neonikotinoiden behandelten Pflanzen für Bienenvölker ausgeht, belegt.

Nach Meinung der Autoren der „Nature“ gebe es damit nun genug Belege, um die gesetzliche Beschränkung der Nutzung dieser Pestizide zu begründen. Zweifel an den Studien äußerte hingegen der deutsche Agrarlobbyverband IVA, der „erhebliche Mängel“ an den Ergebnissen festgestellt haben will. So seien „unrealistisch hohe Konzentrationen“ in den Studien verwendet worden. Es sei fraglich, ob das vorübergehende Verbot der Pestizide innerhalb der EU aufgrund dieser Ergebnisse zu einem dauerhaften ausgeweitet wird. „Ob diese Studien dazu beitragen, ist aber kritisch zu hinterfragen und muss letztlich von Efsa bewertet werden“, erklärte Hauptgeschäftsführer Volker Koch-Achelpöhler. Die Hersteller Syngenta und Bayer gehen derzeit gerichtlich gegen das vorübergehende Verbot ihrer Pflanzenschutzmittel vor. Bis Dezember soll die europäische Zulassungsbehörde (Efsa) eine Entscheidung fällen, ob die Wirkstoffe künftig wieder erlaubt sein sollen.

Bisher sind die Wissenschaftler noch zu keinem befriedigendem Urteil gekommen, woran die Bienen in Europa zugrunde gehen. Offiziell wird vom Landwirtschaftsministerium die Varroamilbe als Hauptgrund angegeben. Sie sei an dem „erhöhten Rückgang der Bienenpopulation“ schuld. Dieser ist bereits so bedenklich, dass das Ministerium mit Aufrufen zur Bienenfütterung und mobilen Apps versucht, dem Sterben Einhalt zu gebieten.

Dabei fürchten die Bienenschützer nicht nur das Verschwinden der Bienen, sondern vor allem die sekundären Negativauswirkungen etwa auf die Ernten der Landwirte, denn Bienen sind wichtige Bestäuber für Pflanzen. Hinzu kommt, dass eine vor wenigen Monaten veröffentlichte Meta-Studie den Verdacht aufwarf, Neonikotinoide könnten auch tödlich auf Vögel und Fische wirken.

Während der  IVA auch diese Studie als „Kampagne“ abtat, erklärte der Molekularbiologe Jean-Marc Bonmatin: Von den Neonikotinoiden gehe „eine Bedrohung für die Fruchtbarkeit unserer Natur und Äcker wie damals“ in den Sechziger Jahren vom Insektengift DDT aus. Die Wirtschaft habe offenbar seither nichts dazugelernt.

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Stephan Weber

Stephan Weber (Jahrgang 1988) ist Herausgeber der WINZERIN VOM RHEIN und lebt in Heidelberg.

Er ist politisch engagiert und beobachtet das Zeitgeschehen vor allem in den Bundesländern Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz.

Webseite: www.winzerin-vom-rhein.de/show/author/46-stephan-weber.html
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