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Publiziert in Verbraucherschutz

Nach Ablehnung von Edathys Geld:

Spendenregen für Kinderschutzbund Niedersachsen

Dienstag, 21 April 2015 22:00 geschrieben von 
Logo des Deutschen Kinderschutzbunds Logo des Deutschen Kinderschutzbunds Quelle: de.wikipedia.org

Berlin - Die Entscheidung, die richterlich angeordnete Geldauflage des ehemaligen SPD-Abgeordneten Sebastian Edathy abzulehnen, hat dem Deutschen Kinderschutzbund (DKSB) in Niedersachsen einen wahren Spendenregen beschert. Das Fünfzigfache der üblicherweise anfallenden Spendensumme sei bisher eingegangen, freut sich der Landesverband.

 

„Wir waren überrollt von der Begeisterung der Menschen“, erklärt der Vorsitzende des DKSB Niedersachsen, Johannes Schmidt. Rund 160.000 Euro seien seit der Ablehnung des Geldes im März erzielt wurden – Fünfzig mal mehr als gewöhnlich. „Im gleichen Zeitraum erhalten wir normalerweise zwei- bis dreitausend Euro“, freut sich Schmidt. Außerdem seien unzählige Zuschriften und Anrufe beim Landesverband eingegangen.

Der Landesverband Niedersachsen des Deutschen Kinderschutzbundes hatte sich im März dieses Jahres gegen die Geldauflage von Edathy entschieden, die dieser im Zuge der Einstellung seines Verfahrens wegen Besitz von Kinderpornografie zu zahlen hatte. „Es war genau die richtige Entscheidung, die wir so immer wieder treffen würden“, erklärte Schmidt. „Das Geld war eine Verhöhnung der Opfer und unseres Verbandes.“ Der Verband sei durch die Entscheidung gestärkt worden. Die eingegangenen Gelder werden nun auf die Ortsverbände weitergeleitet.

Der Verein, der das Geld zunächst angenommen hatte, begründete die Absage an Edathy damals mit dessen „fehlender Reue“ und überraschte damit das Gericht. Es sei „gängige Praxis“, dass Richter in Kinderpornografieverfahren Geldauflagen „auch für den Kinderschutzbund vorsehen“, erklärte der Vorsitzende des Richterbundes Nordrhein-Westfalens, Christian Friehoff. So habe auch der DKSB in ähnlich gelagerten, aber weniger öffentlichen Fällen Zahlungen angenommen. „Gerade die Geldauflagen aus Kinderpornografieverfahren gehen oft an Kinder- und Jugendschutzstellen“, bestätigte Rechtsanwalt Steffen Lindberg. Die Vereine liessen sich sogar selbst auf die Liste setzen. Der niedersächsische Kinderschutzbund betreibe daher „Heuchelei“.

Der Bundesvorsitzende des DKSB Heinz Hilgers erklärte schließlich, es sei zwar generell richtig, dass man entsprechende Geldauflagen in der Vergangenheit bekommen und angenommen habe – man wolle das auch in Zukunft tun. Jedoch sei Edathy eine Ausnahme, da es sich bei ihm um ein „rein taktisches Geständnis“ gehandelt habe. Ihm sei kein Verfahren bekannt, in dem sich ein Beschuldigter so „larmoyant“ verhalten habe. Eine Annahme des Geldes war so nicht möglich.

 

Stattdessen gingen die vom Gericht angeordneten fünftausend Euro an den Jugend- und Kinderfeuerwehrverband Niedersachsen. Gerichtssprecherin Katharina Krützfeld begründete den neuen Begünstigten mit den Worten: „Die Kammer hat entschieden, dass der Verband das Geld erhalten soll, weil er sich bislang mehrfach vergeblich um eine Zuwendung bemüht hat.“ Die Niedersächsische Jugendfeuerwehr nahm das Geld an. „Mit der uns nun zugewiesenen Geldauflage werden wir unser Präventionskonzept insbesondere im Bereich Kindeswohlgefährdung ausbauen und so weiterhin als Jugendverband unseren Schutzauftrag gegen einen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen konsequent erfüllen“, teilte der Verein damals mit.

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Stephan Weber

Stephan Weber (Jahrgang 1988) ist Herausgeber der WINZERIN VOM RHEIN und lebt in Heidelberg.

Er ist politisch engagiert und beobachtet das Zeitgeschehen vor allem in den Bundesländern Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz.

Webseite: www.winzerin-vom-rhein.de/show/author/46-stephan-weber.html
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