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Publiziert in Verbraucherschutz

Verbot von Roundup

Toom verbannt krebserregendes Pflanzenschutzmittel

Dienstag, 12 Mai 2015 22:53 geschrieben von 
Bildschirmfoto vom 12.05.2015 Bildschirmfoto vom 12.05.2015 Quelle: www.roundup.de

Köln - Wie die Kölner Rewe-Gruppe mitteilte, wird es künftig keine Unkrautvernichter mit dem Wirkstoff Glyphosat, besser bekannt unter dem Markennamen Roundup, mehr in den bundesweit 350 Toom-Baumärkten mehr geben. Spätestens zum 30. September würden keine solchen Produkte mehr verkauft. Bereits seit Montag werden zudem keine Nachbestellungen mehr getätigt.

Künftig werde man den Kunden stattdessen alternative umweltverträglichere Pflanzenschutzmittel anbieten. Man handele somit „deutlich vor der anstehenden Entscheidung über die Verlängerung der EU-Zulassung für Glyphosat“, so die Rewe-Gruppe.

Letzte Woche forderten die Verbraucherschutzminister nach ihrer Ministerkonferenz in Osnabrück den Bund „einmütig aus Vorsorgegründen“ dazu auf, „die Abgabe an und die Anwendung durch Privatpersonen zu verbieten“, da die glyphosathaltigen Mittel im Verdacht stehen, krebserregend zu sein, wie der Vorsitzende der Verbraucherschutzministerkonferenz und zugleich der Verbraucherschutzminister Niedersachsens, Christian Meyer (Grüne), erklärte. Der Osnabrücker Beschluss sei ein „überwältigendes Signal an den Bund gewesen, die Gefahren endlich ernst zu nehmen.“ Zudem forderten die Minister, dass Glyphosat nicht mehr in Gärten, Parks und auf Kinderspielplätzen eingesetzt werde. „Ein wahrscheinlich krebserregender Stoff hat weder auf Garagenauffahrten, auf Spielplätzen noch in Kleingärten etwas zu suchen.“

Nach Bekanntwerden der Entscheidung der Rewe-Gruppe, erklärte Meyer, er begrüße die Entscheidung ausdrücklich. „Die Nachricht habe ich heute mit großer Erleichterung zur Kenntnis genommen“, so der Minister. „Das von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als `wahrscheinlich krebserzeugend für den Menschen´eingestufte Totalherbizid hat in Baumärkten nämlich nichts zu suchen.“ Bereits 2014 habe das Land Niedersachsen aufgrund umfangreicher Studien erhebliche Zweifel an einer weiterbestehenden Zulassung des Mittels geäußert.

Bis Ende dieses Jahres muss die EU über eine mögliche Verlängerung der Zulassung für dieses Pflanzengift entscheiden. Meyer wertete es als „positives Zeichen einzelner Handelsketten, dass sie im Vorgriff auf ein Verbot das Unkrautvernichtungsmittel aus dem Verkauf nimmt.“ Für die Toom-Baumärkte ist er voll des Lobes: „Das Unternehmen Rewe sendet nun ein weiteres wichtiges Zeichen.“ Nun müsse nur noch der Bund handeln und ein sofortiges Verkaufsverbot aussprechen. „Die Wirtschaft ist da schon einen Schritt weiter, während der Bund von einem Vertriebsverbot nichts wissen will“, betonte Meyer. „Bundesagrarminister Schmidt muss sich von den Interpretationen der agrochemischen Industrie trennen und sich der Einschätzung der WHO anschließen“, forderte er.

Robert Kloss, der Staatssekretär des Bundeslandwirtschaftsministeriums, erklärte hingegen, derzeit fehle für ein Verbot die Rechtsgrundlage. Die Europäische Union bewerte das Pflanzenschutzmittel gerade im Rahmen des Zulassungsverfahrens. Die Ergebnisse müssten nun abgewartet werden. Ob der Wirkstoff Glyphosat krebserregend sei, sei unter Wissenschaftlern zudem umstritten, so Kloss. Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) habe 2014 „keine Hinweise auf krebserzeugende, reproduktionsschädigende oder fruchtschädigende Wirkung durch Glyphosat“ feststellen können.

Glyphosat wurde in den Siebziger Jahren vom US-Konzern Monsanto entwickelt und unter dem Namen Roundup weltweit zum meistgenutzten Unkrautvernichtungsmittel. Es tötet alle Pflanzen, bis auf jene, die gentechnisch speziell verändert sind, indem es ein für die Proteinsynthese der Pflanze wichtiges Enzym hemmt. Sein Einsatzgebiet ist neben der Unkrautvernichtung in Parks, Bahngleisen und Gärten vor allem auch der Schutz von Getreide vor der Ernte. Durch die Behandlung solle das Getreide schneller und gleichmäßiger reifen und könne früher geerntet werden. Wie der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) mitteilte, wird Glyphosat auf etwa 39 Prozent aller Ackerflächen hierzulande gespritzt. Zudem komme es auch im Weinbau und auf Obstplantagen zum Einsatz.

Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) der WHO hatte das Unkrautmittel im März dieses Jahres als „wahrscheinlich“ krebserregend eingestuft. Studien an Farmarbeitern in den USA, Schweden und Kanada hätten gezeigt, dass diese durch die Arbeit mit Glyphosat ein erhöhtes Risiko für Non-Hodgkin-Lymphome haben.

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Stephan Weber

Stephan Weber (Jahrgang 1988) ist Herausgeber der WINZERIN VOM RHEIN und lebt in Heidelberg.

Er ist politisch engagiert und beobachtet das Zeitgeschehen vor allem in den Bundesländern Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz.

Webseite: www.winzerin-vom-rhein.de/show/author/46-stephan-weber.html

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